Ein bisschen fühlten sich die 2521 Fans am Ende wohl an das olympische Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich erinnert, denn was in den Schlusssekunden der Partie zwischen dem HSC 2000 Coburg und TuS Nettelstedt-Lübbecke an Dramatik geboten wurde, war auch kaum zu überbieten. Obwohl die Gäste zwei Sekunden vor dem Abpfiff den vermeintlichen Siegtreffer erzielten, glich Coburg noch zum 28:28 aus. Dabei fielen in den letzten 143 Sekunden sieben Treffer.

2. Bundesliga HSC 2000 Coburg – TuS N.-Lübbecke 28:28 (9:12)

Aufgrund der familienfreundlichen Anwurfzeit hatte Coburg die Partie zum Anlass genommen einen großen Familienspieltag zu veranstalten. Mit verschiedenen Aktionen wie Fotobox, Kinderschminken und Glücksrad wurde die Partie abgerundet.

Beide Teams stellten in der Anfangsphase eine kompakte Abwehr, die es dem Gegner schwer machte, Lücken zu finden. Anel Mahmutefendic konnte aus dem Vollen schöpfen, doch auf beiden Seiten überwogen erst einmal die Fehler. Ossowski und Helmersson waren beim HSC für die Spielsteuerung zuständig, auf der anderen Seite waren Kolodziej und Heiny die auffälligsten Akteure. Den ersten Höhepunkt lieferte Coburgs Kreisläufer Bis mit seinem sehenswerten Treffer zum 3:3. Doch die Coburger Fans mussten lange auf die erste Führung ihrer Mannschaft warten. Zu unkonzentriert waren deren Aktionen im Angriff, zu viele Würfe fanden nicht den Weg ins Tor der Gäste. Selbst im Überzahlspiel gingen Bälle verloren und aus HSC-Sicht konnte man froh sein, dass auch Nettelstedt sträflich mit seinen Chancen umging.

Trotzdem lief Coburg nach zehn Minuten einem 3:5-Rückstand hinterher. Den glich der HSC beim 5:5 aus, hatte anschließend eine Unterzahl zu überstehen. So richtig kamen die Coburger jedoch nicht ins Spiel, was Mahmutefendic auch in seiner ersten Auszeit feststellte: „Wir brauchen mehr Überzeugung, vorne müssen wir mehr investieren, in der Abwehr konsequenter agieren.“

Kaum war das ausgesprochen, steigerte sich der Coburger Deckungsverband und daraus resultierte die erste Führung, die der HSC sogar auf einen weiteren Treffer ausbaute (9:7, 19. Minute). Das war dann der letzte Coburger Treffer in der ersten Halbzeit. Jesper Schmidt scheiterte innerhalb von zwei Minuten gleich zweimal am 42-jährigen Nikolas „Katze“ Katsigiannis im TuS-Tor. Wenig später hieß das Duell Florian Billek gegen „Katze“ und der scheiterte ebenfalls, sogar mit dem Nachwurf. Daran bauten sich die Gäste auf und die Coburger gerieten völlig aus dem Tritt.

Die Konsequenz war ein Drei-Tore-Rückstand zur Pause, obwohl die Gäste bereits nach 29 Minuten Lutz Heiny nach seiner dritten Zeitstrafe verloren.

Beim 11:13 wurde Katsigiannis von Florian Billek erstmals mit einem Strafwurf bezwungen, der beim 14:15 (35.) auch wieder Sieger blieb. Aber wie schon vor der Pause gelang es Coburg erst einmal nicht selbst in Führung zu gehen. Doch zwei HSC-Youngster sorgten für den nötigen Schwung. Lisac übernahm die Spielsteuerung und Valkovskis sorgte mit seinem Treffer beim 19:18 für die Führung. Aber der Schwung ging schnell wieder verloren, weil sich die Nettelstedter Abwehr darauf einstellte, Coburgs Aktionen wieder zu wenig zwingend waren.

Das nutzten die Gäste mit ihrer ruhigen Spielweise um selbst auf zwei Tore davonzuziehen. Zum Glück aus Sicht des HSC war dann drei Mal in Folge Petros Boukovinas zur Stelle, ermöglichte seiner Mannschaft so die Chance zum 23:23-Ausgleich zu Beginn der Crunchtime per Strafwurf durch Florian Billek.

20 Sekunden vor dem Abpfiff stand es 27:27-Unentschieden, Nettelstedt brachte den siebten Feldspieler, schaffte zwei Sekunden vor dem Abpfiff die Führung. Die Coburger schalteten blitzschnell und Bartlomiej Bis traf Bruchteile vor der Schlusssirene ins leere Tor der Gäste.

Bereits am Mittwoch geht es für den HSC beim TV Großwallstadt weiter, am kommenden Samstag kommt der Tabellenzweite GWD Minden nach Coburg.

Die Statistik zum Spiel

HSC 2000 Coburg: Boukovinas (11 Paraden), Apfel (1 Parade); Menges, Dettenthaler (1), Bis (7), Fuß, Ossowski (1), Billek (5/4), Lisac (3), Krone, Helmersson (2), Knauer (2), J. Valkovskis (4), Röller, Schäffer, Schmidt (3/2). Trainer: Mahmutefendic.

TuS Nettelstadt-Lübbecke: Katsigiannis (8 Paraden), Grabenstein (4 Paraden); Genz (1), Heiny (3), Hörr, Ebner (3), Petreikis (2), Schulze (1), Severec (3), Dräger (4), Kontrec, Kolodziej (6), Skroblien, Kloor, Süsser (1), Wieling (4). Trainer: Przybecki.

Schiedsrichter: L. Bärmann / N. Bärmann

Strafminuten: 10 (Schäffer, Röller, Fuß, Bis, Dettenthaler) – 18 (Kontrec, Dräger, Schulze, Ebner, Severec 4, Heiny 6, damit rote Karte (29.))

Siebenmeter: 6/10 (Schmidt und Billek scheitern je 2 x an Katsigiannis) – 4/5 (Kolodziej scheitert an Apfel)

Spielfilm: 22:2 (6.), 3:5 (10.), 5:5 (14.), 7:7 (18.), 9:7 (19.), 9:9 (23.), 9:11 (28.), 9:12 – 13:14 (34.), 19:18 (40.), 20:21 (46.), 21:23 (49.), 22:23 (51.), 25:25 (55.), 25:26 (58.), 28:28.

Zuschauer: 2521

Beste Spieler: Bis, Lisac – Katsigiannis, Dräger

Den gesamten Bericht findet ihr bei unserem Medienparter dem Coburger Tageblatt.

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Bericht vom Coburger Tageblatt

Bild von Svenja Sommer